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SCHLAGANFALL PROPHYLAXE BEI VORHOFFLIMMERN
 

Schlaganfall-Prophylaxe: Neue und bessere Medikamente für Patienten mit Vorhofflimmern.

Menschen mit Vorhofflimmern haben im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Vorhofflimmern ein etwa doppelt so hohes Risiko zu versterben und ein rund fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Von dieser häufigsten Herzrhythmusstörung dürften in Österreich an die 100.000 Personen betroffen sein. „Seit Kurzem gibt es neue medikamentöse Optionen in der Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern. Dabei handelt es sich um Substanzen, die an anderen Stellen in die komplexe biochemische Kaskade der Blutgerinnung eingreifen als die Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcoumar) oder Aspirin. Eine davon ist in Österreich bereits zugelassen und im Erstattungsstatus, zwei weitere stehen kurz vor der Zulassung bzw. der Erstattung durch die Krankenkassen. Alle drei Medikamente werden oral eingenommen und erfordern kein Monitoring der Blutgerinnung“, so Prof. Dr. Weidinger, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung an der Rudolfstiftung. „Es besteht die Hoffnung, dass mit den neuen Substanzen mehr Patientinnen und Patienten als bisher eine adäquate Blutverdünnung erhalten und damit das Schlaganfall-Risiko in der Bevölkerung gesenkt werden kann.“

Neue Antikoagulantien Hoffnungsträger

Dabigatran hemmt den Blutgerinnungsfaktor Thrombin, Rivaroxaban und Apixaban hemmen das an der Blutgerinnung beteiligte Enzym Faktor Xa. Einige aktuelle Ergebnisse zu den neuen Substanzen:

Für Dabigatran wurde in der RELY Studie über zwei Jahre im Vergleich zu Warfarin (Vitamin-K-Antagonist) für die Dosis von 150 Milligramm zweimal täglich Überlegenheit in Bezug auf die Verhinderung von Schlaganfall und systemischen Embolien gezeigt. Die Dosierung von zweimal täglich 110 Milligramm war gleich wirksam wie Warfarin. Zudem traten im 110mg Dabigatran-Arm weniger Blutungskomplikationen auf als unter Warfarin. Dies betraf vor allem die gefürchteten Gehirn- und andere lebensbedrohliche Blutungen.

Für Rivaroxaban zeigte die ROCKET-AF Studie gleich gute Wirksamkeit in der Intention-to-treat-Analyse bzw. Überlegenheit in der On-treatment-Analyse im Hinblick auf die Verhütung von Schlaganfall, systemischen Embolien und vaskulärem Tod im Vergleich zu Warfarin. Die Dosierung von Rivaroxaban betrug 20 Milligramm pro Tag bzw. 15 Milligramm für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Rivaroxaban war wirksamer in Bezug auf Schlaganfälle mit Blutung (hämorrhagischer Insult). Tödliche und intrakranielle („Hirnblutung“) Blutungskomplikationen traten unter Rivaroxaban seltener auf als unter Warfarin.

Apixaban (2 x 5 mg pro Tag) wurde in der ARISTOTLE Studie hinsichtlich der Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern mit Warfarin verglichen. Auch hier zeigte sich zumindest Gleichwertigkeit in Bezug auf Schlaganfall und systemische Embolie sowie Überlegenheit hinsichtlich des hämorrhagischen Insults. Blutungen, insbesondere schwere und lebensbedrohliche, traten unter Apixaban seltener auf als unter Warfarin.

„Für die Umsetzung in der Praxis gibt es freilich noch einige Fragezeichen“, hob Weidinger hervor. „Leider gibt es im Fall einer Überdosierung kein wirksames Gegenmittel. Die zweimal tägliche Einnahme verlangt vom Patienten einiges an Disziplin. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion kann die Wirkung von Dabigatran verstärkt und das Blutungsrisiko erhöht werden.“ (Quelle Ärztewoche Juni 2012)

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